Brooks Cascadia 4
1. September 2009
Gore-Tex Transalpine-Run 2009
13. September 2009
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  • Gore-Tex Transalpine-Run
  • 05. – 12.09.2009
  • Etappen-Wettkampf über die Alpen von Oberstdorf bis Latsch
  • ca. 240 km / ca. 12.000 Höhenmeter

Vom 05.09. – 12.09.09 fand der 5. Gore-Tex Transalpine-Run statt. Nach jeweils einer Teilnahme auf der Ost- und Westroute, hatte ich in diesem Jahr die Möglichkeit auf den 240 km der Westroute von Oberstdorf nach Latsch im Streckenteam mitzulaufen. Das Streckenteam unter der Führung von Wolfgang (Wolfi) Pohl von Vivalpin in Garmisch-Partenkirchen besteht aus 9 Personen, die für die Sicherheit der Teilnehmer und Markierung der Strecke zuständig sind. Bereits am Vortag der jeweiligen Etappe machen sich die drei Bergführer des Markierungsteams auf den Weg um die festgelegte Strecke zu überprüfen und die wichtigsten Markierungen für den Streckenverlauf anzubringen. Im Teilnehmerfeld befinden sich zwei Läufer des Streckenteams, welche Ansprechpartner für die Teilnehmer und im Falle einer Verletzung oder Unglücks im Teilnehmerfeld die Vermittler zum Rescue-Team, welches sich auf der Strecke verteilt, sind. Am Ende des Feldes laufen zwei Schlussläufer, von welchen einer ebenfalls ein ausgebildeter Bergführer ist, und sorgen ebenfalls für die Sicherheit der Teilnehmer, die Einhaltung der Zeitlimits und die Sauberkeit der Strecke, indem sie die Streckenmarkierungen wieder einsammeln. Immer wieder müssen sie hierbei auch den einen oder anderen Müll der Teilnehmer aufsammeln, den diese entgegen der Bestimmungen und selbstverständlichen Verhaltensgrundsätzen in der Natur zurücklassen. Das Streckenteam wird komplettiert von den zwei Vorläufern, die sich vor dem Feld auf die Strecke begeben um Markierungen nachzubessern, wenn das verwendete Kreidespray z. B. durch Regen weggespült wurde, diverse Beschilderungen Souvenirjägern zum Opfer gefallen sind oder die Strecke auf Grund anderer Einflüsse unkenntlich gemacht oder fehlgeleitet wurde. Je nach Etappe begab ich mich hierzu gemeinsam mit Christoph Gnieser oder von ihm versetzt auf die Strecke – unser Start war grundsätzlich 2 Stunden vor dem Start der Etappe.

Samstag, 05.09.09, Etappe 1
Oberstdorf – Lech, 35 km, 2542 HM


Selbst als Vorläufer darf ich heute nochmal länger im Bett bleiben, da die erste Etappe erst um 10 Uhr gestartet wird. Dennoch ist es 6 Uhr als ich meine noch frischen Beine aus dem Bett schwinge und in Sorge um das Wetter das Fenster ansteuere. Die Tage zuvor und vor allem in der Nacht hat es geregnet, was der Himmel hergab. Für den Fall, dass wegen starken Regens oder Schneefall die ursprünglichen Etappen nicht gelaufen werden können, steht jeweils eine Alternativroute zur Verfügung. Doch Wolfi gab beim Briefing am Vorabend schon grünes Licht für die Originalroute und das zu erwartende Wetter. Mein Blick zum Himmel stimmte mich jedoch nicht so optimistisch, auch wenn ich zwischen den vielen grauen Wolken einen kleinen Hoffnungsschimmer in blauer Farbe ausmachen konnte. Dass Uta und Heinrich (Heini) Albrecht (Plan B), die wie immer die Gesamtorganisation dieses Events leiteten sowie Wolfi Pohl einen guten Draht zum Wettergott haben müssen, zeigte sich, als ich mich gegen 8 Uhr als erster Läufer auf die Strecke begab. Bei mittlerweile nahezu komplett blauem Himmel machte ich mich „bewaffnet“ mit Kreidespray, Trassierband, Wegweisern und dem obligatorischem Rucksack mit Wechselkleidung, Erste-Hilfe-Set etc., wie ihn auch die Teilnehmer tragen müssen, auf die nagelneue Streckenführung nach Lech am Arlberg.


Wegen des vielen Regens war damit zu rechnen dass die am Vortag aufgebrachten Kreidespraymarkierungen inzwischen weggespült wurden. Dies bestätigte sich auch und so kam ich bedeutend langsamer voran als gedacht. Nach wenigen Kilometern auf bzw. neben Fahrstraßen ging es bei Kilometer drei schon den ersten knackigen Anstieg hoch in Richtung Heini-Klopfer-Skiflugschanze. Die erste Verpflegungsstation bei km 11 passierte ich, als das Team noch mit dem Aufbau beschäftigt war, ein bisschen Wegzehrung gab es dennoch für mich und für einen kurzen Plausch sollte auch noch genügend Zeit sein, schließlich hatte ich genügend Vorsprung auch wenn dieser aufgrund der Nachmarkierungsarbeit und einiger Fotopausen dahin schmolz. Auf den nächsten Kilometern konnte ich dann ein bisschen Gas geben, da Christoph die Vorläuferarbeit ab der ersten Verpflegung übernahm.


Bei herrlichem Wetter aber niedrigen Temperaturen schraubte sich die Strecke hoch zur Fiederescharte. Der Regen im Tal kam hier in der Nacht als Schnee herunter und die niedrigen Temperaturen sorgten für eine gefrorene weiße Decke. Es boten sich Bilder wie aus dem Bilderbuch.


An der Scharte auf 2210 m Höhe dann die erste ausgesetzte Stelle, die man vorsichtig bewältigen musste, vor allem dann, wenn man auch noch eine Auge für das traumhafte Panorama haben wollte. Weiter ging es dann zur Mindelheimer Hütte. Auf den Weg dorthin musste ich einen unfreiwilligen Stopp einlegen, da ich, um eine Kollision mit zwei Wanderern zu vermeiden die den Pfad für sich reservierten, einen unsanften Sturz hinlegte. Nach einer kleinen „Besinnungspause“ konnte ich glücklicherweise meinen Weg fortsetzen.


Die Strecke führte zwar nun tendenziell bergab; zum Schrofenpass und nach Warth waren aber nochmal zwei bissige, wenn auch relativ kurze Anstiege zu bewältigen. An der zweiten Verpflegung in Warth wollte ich eigentlich auf Christoph treffen, wegen meiner Verspätung hat er allerdings seinen Weg schon auf dem Fahrrad fortgesetzt. Auf dem sehr weichen Untergrund mit teils heftigen Anstiegen auf den letzten neun Kilometern nach Lech kam er mit dem MTB jedoch deutlich langsamer voran als ich und so holte ich ihn doch noch ein. Da unsere Verfolger uns schon gefährlich nahe gekommen sind musste ich nun richtig Gas geben um auch auf den verbleibenden Kilometern eine ordentlich markierte Strecke zu gewährleisten und vor den Siegern der ersten Etappe im Ziel zu sein. Dies gelang mir schließlich auch und bei sommerlichen Temperaturen in Lech durfte ich zum ersten Mal als „Erster“ eine Transalpine-Run-Etappe beenden. Meine 2 Stunden Vorsprung auf das siegende Saab-Salomon Team aus Großbritannien, schmolzen allerdings bis auf wenige Minuten dahin.


Sonntag, 06.09.09, Etappe 2
Lech – St. Anton, 25 km, 2014 HM

Nach meiner Zielankunft am Vortag schwoll mein Knöchel extrem an und ich konnte keinen Schritt mehr gehen. Ein Start bei der zweiten Etappe kam in keinster Weise in Frage. Voller Wehmut trat ich meinen Weg von Lech nach St. Anton mit dem 80-köpfigen Orga-Team auf vier Rädern an. Ich verpasste eine traumhafte hochalpine Etappe über den Rüfikopf, die Rauhekopfscharte hoch zum Vallugagrat auf 2750 Meter Höhe und den abschließenden Abstieg über das Valfagehrjoch zur Ulmer Hütte und in den Ski-WM-Ort St. Anton. Die Bilder und der Movie des Tages, welche obligatorisch am Abend bei der Siegerehrung vorgeführt werden, zeigten mir welch phantastische Etappe ich verpasst hatte.


Die gute Nachricht des Tages war aber, dass ich, dank der Physiotherapeutin Elisabeth Polhammer aus Brannenburg, die für jeden Teilnehmer da war und einen super Job macht und dem Rescue-Team, im Laufe des Tages die Schmerzen im Fuß immer weniger wurden. Am Abend stand fest, dass ich am nächsten Tag wieder laufen werde.

Montag, 07.09.09, Etappe 3
St. Anton – Galtür, 33 km, 2437 HM

Mit dem Kuchenjoch und dem Schafbichljoch standen heute gleich zwei „Höhepunkte“ auf dem Plan, dass dazwischen 1000 Meter im Abstieg und fast das Gleiche nochmal im Anstieg zu bewältigen war, machte die Sache noch interessanter.

Der „Highway To Hell“ startete um 8 Uhr in St. Anton, was für mich bedeutete, dass ich bereits um 6 Uhr meine Laufschuhe schnüren musste. Das Ganze allerdings als „Lightversion“, denn, um erstens meinen erst gerade auf wundersame Art und Weise genesenen Fuß nicht zu sehr zu strapazieren und zweitens um zu verhindern, dass ich von den wahnsinnig schnellen Briten eingeholt werde, wurde ich von Bernd, der für die ersteVerpflegungsstation zuständig ist, zu selbiger mit dem Auto mitgenommen.

Um die fast 250 Teams zu verpflegen wurden täglich mehrere hundert Liter Wasser, Isogetränk, unzählige Energieriegel sowie Obst, Nüsse und andere Schmankerl auf zum Teil mehr als nur unwegsamen Pfaden zu den bis zu drei Verpflegungsstationengeschafft.

Die erste Verpflegungsstation dieser Etappe befand sich an der Darmstätter Hütte. Ich verschaffte mir zwar keinen zeitlich größeren Vorsprung, da die Fahrt mit den vierradgetriebenen Vans nur unwesentlich schneller war als die besten Teams zu Fuß aber ich sparte mir 11 km und 1100 Höhenmeter. Carsten und Jörn vom Streckenteam übernahmen die „Vorläuferarbeit“ bis zur ersten Verpflegung, indem sie ½ Std früher starteten als das große Feld, danach ließen sie sich zurückfallen und liefen im Feld mit. Christoph ließ sich zur 2. Verpflegung chauffieren um ab dort seine Arbeit zu verrichten, so dass ich zu diesem Zeitpunkt mein eigenes Tempo laufen konnte. Dieses System verfolgten wir von nun an grundsätzlich bei jeder Etappe.

Um sieben Uhr startete ich also an jenem Montag bei wolkenlosem Himmel bei noch ziemlich düstereren Lichtverhältnissen, da sich die Sonne hinter den Bergen versteckte, auf dem aus schroffen Felsbrocken bestehenden Pfad in Richtung Kuchenjoch. So sehr wie es mir aus Läufersicht schmerzte die ersten elf Kilometer mit dem Auto zurückgelegt zu haben, so wahnsinnig schön war das Erlebnis um 7:30 Uhr bei Windstille und absoluter Ruhe am 2730 Meter hohen Kuchenjoch zu stehen und die genau zu diesem Zeitpunkt aufgehende Sonne zu spüren, wie sie schlagartig für angenehme Wärme auf der Haut sorgte und die umliegenden Felsen in ihre schönsten Töne färbte.

Bei diesem Schauspiel nahm ich mir die Freiheit, welche die Wettkämpfer nicht haben – ich setzte mich auf einen Stein und konnte in nur 10 Minuten verfolgen, wie so langsam die Schatten der Verwallgruppe im Fasultal verschwanden, bevor ich mich aufmachte mich auf dem zunächst technisch relativ anspruchsvollen Abstieg zur zweiten Verpflegung zu machen.

1000 Meter tiefer machte sich Helmut mit seinem Team an die Arbeit seinen „Kiosk“ zu eröffnen. Die Sponsorenbanner wurden befestigt, Bananen, Melonen und Orangen geschnitten, Isogetränke gemischt und zusammen mit Nüssen, Kuchen, High-5-Riegeln angerichtet. Bereit für die fast 500 Wettkämpfer die zu diesem Zeitpunkt im 17 km entfernten Skiort gerade gestartet sind.

Durch das mittlerweile schon von der Sonne durchfluteten Fasultal begab ich mich einigermaßen schmerzfrei zum Schafbichljoch. Neben ein paar Wanderern, den ersten Fotografen und Supporters erwarteten mich hier ein weiteres sagenhaftes Panorama sowie der über 1000 Höhenmeter im Abstieg und 4 km lange Downhill ins Paznauntal. Von hier aus ging es dann noch leicht steigend knappe 4 km nach Galtür.

Dienstag, 08.09.09, Etappe 4
Galtür – Scoul, 40 km, 2339 HM

Knappe 10 km und gute 2 Stunden Vorsprung verschaffte ich mir wieder, indem ich mit Bernd bis zur Jamtalhütte fuhr. Bis dorthin führte eine durchgehend asphaltierte Straße die sich bis zu besagter Hütte fast 600 HM auf 2165 Meter ü. NN. zog. Von hier aus zog sich die Strecke am Augstenberg entlang über einige Weiden immer steiler hoch zum Futschölpass auf 2768 Meter Höhe. Diesen Punkt erreichte ich um viertel nach sieben und auch an diesem Tag bot sich mir ein ähnlich unvergessliches Naturschauspiel wie am Vortag.

Hier, an der österreichisch-schweizerischen Grenze, zwischen Piz Futschöl und dem Augstenberg nahm ich mir wieder die Zeit diese unwirkliche Welt auf mich wirken zu lassen und dies in einigen Fotos festzuhalten. Dann ging es hinunter ins Urschai-Tal wo ich von einem Pfeifkonzert dutzender Murmeltiere begleitet wurde und wieder hinauf zur Alp Laret.

Helmuts Verpflegungsstation erreichte ich nach knapp 2 Stunden. Hier rüstete ich mich zusätzlich zu meinem als Vorläufer nötigen Equipment mit genügend Wechselkleidung und einem Scanner von Data-Sport aus um am vor mir liegenden Gipfel des Piz Clünas eine Kontrollstation für die mir folgenden Teilnehmer aufzubauen. Dieser knapp 2800 m ü. NN. liegende Gipfel im Unterengandin sollte für die nächsten 6 Stunden mein Lager sein um bis auf das letzte Team zu warten um zu überprüfen, dass keines der Teams die Abkürzung am Fuße des Gipfels nimmt und sich dadurch die traumhafte Aussicht entgehen lässt. Desweiteren dient das Scannen der Überprüfung der Einhaltung des 2-Minuten-Limits in dem sich die beiden Teilnehmer eines Teams aus Sicherheitsgründen bewegen müssen.

Selbst in den 6 Stunden Aufenthalt auf diesen einzigen Gipfels des 5. Gore-Tex Transalpine-Runs konnte ich mich kaum sattsehen an diesem traumhaften Panorama welches bei genialer Weitsicht unzählige Gipfel bot. Um 16:15 Uhr setzte ich meinen Weg fort und begab mich auf den 1600 HM Downhill über Motta Naluns nach Scuol.

Mittwoch, 09.09.09, Etappe 5
Bergsprint Scuol, 6,2 km, 936 HM

Dieser von vielen als Ruhetag bezeichnete  Bergsprint hatte es trotz der kurzen Distanz in sich. Während ich relativ gemütlich in gut einer Stunde durch Scuol die Skipiste hoch zur Bergstation Motta Naluns lief, kämpften die Teilnehmer um Bestzeiten. Der Südtiroler Michael Fischer siegte in Rekordzeit von 39:55 Min vor dem Ainringer Stephan Tassani-Prell (41:07 Min) und dem Briten aus dem dominierenden Saab-Salomon-Outdoor-Team, Tom Owens (41:10 Min).Im Anschluss gab es die Siegerehrung und ein fantastischen Buffet auf der Motta Naluns bevor die Teilnehmer mit Shuttles wieder ins Tal gebracht wurden. Den Nachmittag verbrachten manche in der bekannten Therme von Scoul oder bei Engadiner Schmankerln.

Donnerstag, 10.09.09, Etappe 6
Scoul – Mals, 37 km, 1332 HM

Auf diese Etappe freute ich mich schon lange im Vorfeld. Das Bewältigen der Uina-Schlucht und die Aussicht auf das Ortler-Massiv auf dem Höhenweg zur Plantapatsch blieben mir von meiner Teilnahme 2006 in besonderer Erinnerung. Damals wie heute zeigte sich der Wettergott von seiner besten Seite. Um viertel nach sechs in der Früh traf ich mich mit Bernd in Sur En um von dort mit den Fahrzeugen zur Uina Dadaint zu fahren. Wenn ich mich noch genauso gut an diese Passage hätte erinnern können, wäre ich lieber gelaufen. Auf einem Weg, der nicht breiter war als das Auto, ging es auf der einen Seite haarscharf am Felsen entlang, auf der anderen Seite direkt über dem Abgrund – das Aussteigen war also unmöglich. So endete die Fahrt für mich bei V1 Uina Dadaint. Gespart habe ich mir fast 13 km, gekostet hat es mir meine letzten Nerven!

Es war schließlich kurz vor sieben als ich mich zu Fuß in Richtung der scheinbar unüberwindbaren Felswand aufmachte. Nach und nach konnte man den Felsenweg erkennen der in den Jahren 1908 – 1910 in das Massiv gesprengt wurde um die Uinaschlucht passieren zu können. So eindrucksvoll diese Passage auch ist, wusste ich, dass mich oben angekommen das nächste imponierende Panorama erwartete. Nach einigen Markierungsarbeiten um die nachfolgenden Läufer vor einigen ausgesetzten Stellen zu warnen und Vorsicht walten zu lassen sowie einigen Fotostopps ging es weiter über die italienische Grenze, vorbei an der Sesvenna Hütte auf den Höhenweg 8a.

Bei wolkenlosem Himmel und strahlender Sonne lief ich dem Ortlermassiv entgegen. Rechts unter mir das Schlinigtal durch welches bei schlechtem Wetter die Alternativroute geführt hätte – was für ein Glück, dass wir uns darum keine Gadanken machen mussten! Nur noch wenige Kilometer zu Plantapatsch Hütte, wo Helmut mit seiner zweiten Verpflegungsstation und seinen Leckereien wartete. Nachdem Christoph die Strecke ab hier bereits mit dem MTB abgefahren ist, konnte ich eine längere Pause einlegen. Nicht nur um einen Cappuccino vor prächtiger Kulisse zu genießen, sondern auch um meinem Knie, welches wohl durch die Schonhaltung wegen des Sturzes nun mächtig schmerzte, etwas Ruhe zu gönnen. Gemeinsam mit dem Feld waren nun noch 12 km hinunter ins Vinschgau zurückzulegen. Die letzten Kilometer verliefen auf dem Etsch-Radweg durch Burgeis unterhalb des Klosters Marienberg weiter nach Mals.

Freitag, 11.09.09, Etappe 7
Mals – Schlanders, 35 km, 2145 HM

Der höchste Punkt der gesamten Tour, die Rappenscharte mit ihren 3012 Metern steht auf dem Programm. Bis der giftige Anstieg zu diesem an den Glieshöfen richtig beginnt, mussten schon fast 1000 HM am Waalweg durch das Matscher Tal bewältigt werden. Von nun an zog es sich auf größtenteils weglosem Geröll immer steiler hinauf. Heute liefen Christoph und ich gemeinsam diesem höchsten Punkt entgegen. Als wir um 8:45 Uhr die Rappenscharte erreichten konnten wir das Panorama noch einigermaßen genießen. Zwar zogen langsam Wolken auf, doch das Martscher Gebiet ließen sie zu diesem Zeitpunkt noch aus.

Wohlwissend, dass sich dies im Laufe des Tages noch ändern kann, setzten wir auf diesem Abschnitt noch einige Wegweiser, so dass auch bei schlechter Sicht die Rappenscharte sicher erreicht werden kann. Tatsächlich verschlechterte sich die Wetterlage und einige Teilnehmer mussten im leichten Schnee den Scheitelpunkt überqueren.

Nun folgte der schier unendliche Abstieg hinunter nach Schlanders. Über 2300 Meter im Abstieg mussten bewältigt werden, bevor man in dem schönen Vinschgauer Ort einlaufen durfte. Das bis dahin sowieso schon ungeschlagene Team Saab-Salomon-Outdoor setzte an diesem Tag neue Maßstäbe und verbesserte den ohnehin schon respektablen Streckenrekord um 40 Minuten!!!

Leider sagte sich nun eine Wetterverschlechterung für die nächsten Tage an. Doch laut unserem Wetterpropheten Wolfi sollten wir auch auf der letzten Etappe nochmal Glück haben…

Samstag, 12.09.09, Etappe 8
Schlanders – Latsch, 29 km, 1817 HM

Die letzte Etappe! Heute wollte ich – natürlich ohne meine Arbeit als Vorläufer zu vernachlässigen – selbst mal richtig flott die gesamte Distanz zurücklegen. Christoph übernahm die Vorläuferarbeit bereits ab der ersten Verpflegung auf der Göflaner Alm. Bis dorthin führte der Weg teils über Straßen, Wiesen und Waldwegen. Den Startort Schlanders hatte man, wenn man sich umdrehte eigentlich ständig im Blick. Nach ca. einer Stunde war ich bei Bernd der gerade damit beschäftigt war zum letzten Mal seinen „Food Stopp“ aufzubauen. Von nun an konnte ich etwas mehr Gas geben. Auf halbem Weg zur Göflaner Scharte holte ich Christoph ein. Plötzlich einsetzender Regen zwang mich doch lieber etwas langsamer zu machen. Mit dem Überschreiten der Scharte endete der Regen so schnell wie er gekommen ist. Es eröffnete sich ein schöner Blick ins Martelltal an dessen Ende sich der Einstieg ins Ortlergebiet befindet. Auf dem Marteller Höhenweg zog sich nun der Weg hoch oben zwischen Martelltal und Etschtal direkt in Richtung Latsch.

Start- und Zielort waren mit einem Blick zu erfassen. Zum ersten Mal traute ich es mir und meinem Fuß zu, mit richtig Tempo bergab zu laufen. Als der Pfad auf die Forststraße wechselte, von wo aus immer noch 1000 Meter in Abstieg zurückzulegen waren, beschleunigte ich teilweise auf ein Tempo von 2:48 min/km. Oberhalb von Morter wurde der Weg dann wieder flacher und zog sich am Waal entlang, überquerte schließlich die Straße nach Martell und zog sich wieder leicht bergan, vorbei an Schloss Montani und Ruine Untermontani, bevor er auf einen Fahrweg durch die Apfelplantagen von Latsch einbog. Von hier aus waren es noch knappe 3 km die ich und später die Athleten des Transalpine-Runs zurückzulegen hatten. Ich gab nochmal alles während die meisten Läufer hier sicher einfach nur die letzten relativ flachen Kilometer genossen haben dürften um dann völlig euphorisch und emotional nach bewältigten 240 km im Zielort einzulaufen.

Meine Uhr zeigte am Ende 3:16 Std. damit war ich eine halbe Stunde langsamer als die in einer anderen Liga laufenden Tom Owens und Andrew Symonds aus Schottland, welche die 8 Etappen in neuer Rekordzeit bewältigten.

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

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