„Entschuldigung, ich treibe Sport“

2. Platz beim Rennsteiglauf
12. Mai 2012
Mizuno BE 2
30. Mai 2012
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„Entschuldigung, ich treibe Sport“

oder

„wie (un)sportlich ist unsere Gesellschaft?“

 

Als kleines Hobby neben meiner Laufpassion pflege ich diese Website um andere an meiner „Freude am Laufen“ teilhaben zu lassen, bzw. zu motivieren, selbst die Sportschuhe zu schnüren und die körperliche Ertüchtigung, sowie die Natur zu genießen. Dies gelingt mir bei, zumindest latent am aktiven Sport Interessierten, scheinbar ganz gut. Dies zeigen zumindest die vielen positiven Rückmeldungen, für welche ich mich an dieser Stelle gerne bedanken möchte.

Dass man nicht jeden erreichen und zum Sport bekehren kann, ist mir klar. Selbst die ca. 91.000 Sportvereine und über 6.000 Fitnesscenter in Deutschland können dies nicht bewerkstelligen. Don Quijote oder Sisyphos hätten ihr Ziel wohl um ein vielfaches leichter erreichen können… Kann es denn zu viel verlangt sein, dass die Couchpotatoes dem Sportler bei der Ausübung seines Hobbys respektieren? Scheinbar!

Am Karfreitag begab ich mich zum Training auf die Strecke des Obermainmarathons. Auf dem Weg von Vierzehnheiligen bis zum Staffelberg muss ich mich von Dutzenden halbstarken Jugendlichen, die den christlichen Feiertag nutzen um mittels Alkohol scheinbar den Zustand der Erleuchtung zu erreichen, anpöbeln lassen. „Entschuldigung, dass ich gerade keine Lust habe, mir mit euch mein Hirn weg zu saufen!“ Eine Woche später laufe ich auf dieser Strecke zum Gesamtsieg. Den Zustand den ich hierbei erreiche ist definitiv euphorischer und am nächsten Tag nicht so verkatert, wie der der Osterpilgerer!

Endlich ist Frühling, die Natur grünt und die Sonne sorgt für sommerliche Temperaturen. Die Wege, auf welchen ich vor Wochen noch einsam unterwegs war sind mittlerweile dicht bevölkert. Das ist auch schön so; Spaziergänger, Nordic Walker, Radfahrer, Läufer, Sonnenanbeter – alle arrangieren sich. Alle? Nein, nicht alle. Da ist dieser Angler am Ludwig-Donau-Kanal. Eine Angel quer über dem Weg, der bequeme Sessel auf der rechten Seite, seine Utensilien auf der linken Seite des Weges, er, seinen blassen und monströsen Bierbauch kratzend, dazwischen. Ich bitte ihn und seine Gleichgesinnten doch etwas Platz zu machen. „Halt die Fresse und lauf doch auf der anderen Seite!“ bekomme ich zu hören. Ich solle anhalten und mir „zwei Blaue“ abholen, wird noch hinterher gerufen. Zum Anhalten hatte ich keine Lust, gerne hätten wir es aber auf den nächsten Kilometern ausdiskutieren können…

Hundehalter. Ich selbst habe übrigens auch einen Hund. Wenn der vierbeinige beste Freund gerne, vor allem sich schneller bewegenden, hinterher oder entgegen läuft, dann nehmt ihn doch bitte an die Leine – selbst wenn er „nur spielen will“. Einige meiner Lauffreunde sind mittlerweile leider bissgeprüft und auch ich habe Ende letzten Jahres leidvolle Erfahrungen mit einem, vom Besitzer außer Acht gelassenen, Hund gemacht. „Hier werden viele Hunde ausgeführt. Der Jogger hätte langsamer laufen müssen. Er hätte einen großen Bogen um uns laufen müssen“, steht später in den Zeugenerklärungen, nachdem ich mir eine Ellbogenfraktur beim Sturz über den Hund zugezogen habe. Dass ich den Hund nicht sehen konnte, ich auf meiner 40-km-Runde ganz sicher nicht schnell unterwegs war und als Jogger doch wohl das gleiche Recht habe, den beliebten Fuß- und Radweg zu nutzen, interessiert weder den Verursacher noch die Versicherung. Diese war im Übrigen jahrelang im internationen (Rad-)Sport tätig und investierte viel um mittels Sport für sich zu werben. Selbst ein halbes Jahr nach dem Unfall bleibe ich jedoch auf Schaden, Schmerzen und Ausgaben sitzen.

Dies waren nur drei Geschichten und es gibt noch viel mehr Motivationsbremser. Dennoch schnüren wir Tag für Tag unsere Laufschuhe, kämpfen (nicht nur) gegen unseren Schweinehund. Der Erfolg – sei er noch so klein – gibt uns recht!  

Sport verbindet und ich weiß, dass in ein paar Wochen die Couchpotatoes, Osterpilgerer, Angler, Hundehalter und Versicherungsagenten gemeinsam mit „allen anderen Sportlern“ vor den Fernsehern und Großbildleinwänden den Sport, anlässlich der Fußball-EM, zelebrieren. Sie werden sich jubelnd in den Armen liegen, wenn WIR gewinnen und die anderen raus kicken. Es werden aber auch wieder genau die Selben sein, die wütend meckern, wenn nicht alles optimal läuft, und „DIE Deppen“ das hochgesteckte Ziel nicht erreichen. Vielleicht verfolgen sie auch die ein oder andere Entscheidung der olympischen Spiele, ganz bestimmt werden sie aber auch den Medaillenspiegel in der Bildzeitung lesen und verächtlich die Platzierung Deutschlands belächeln – WARUM WOHL???

 

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

2 Comments

  1. Jens sagt:

    Carsten, bitte schreib ein Buch. Ich liebe deine Art zu schreiben! Vielen Dank für den tollen Beitrag.

    Grüße Jens

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