Es darf auch mehr sein als 42195 Meter

Zielerreichung
28. Dezember 2015
Deutsche Meisterschaft im 6-Stunden-Lauf
2. April 2016
Show all

…dies gilt für offensichtlich immer mehr Läufer im deutschsprachigem Raum, welche nicht bereits nach der klassischen Marathondistanz die Ziellinie erreichen sondern gerne noch ein paar Kilometer draufpacken und sich Ultramarathonis nennen dürfen. Von einem Boom möchte ich angesichts der nach wie vor bombastischen Zahl an Startern bei großen Städtemarathons nicht reden. Diesen gegenüber ist die Teilnehmerzahl bei Ultramarathons äußerst gering, doch an diesen Massenveranstaltungen wird sich auch kein Ultramarathonveranstalter messen lassen wollen. Viel wichtiger ist, dass der Ultramarathon sein Exotentum nach und nach verliert bzw. diesen Status bereits aufgegeben hat. Über 2.000 Starter jährlich beim Rennsteiglauf über die Königsdistanz von 73 km, der Klassiker „Biel“, Teilnehmerlimit beim UTMB (Ultratrail Mont Blanc) aber vor allem die „Ultramarathonfeste“ in Winschoten (NL) und Comrades (Südafrika) zeugen von der (internationalen) Beliebtheit.

Einen großen Anteil für die wachsende Popularität am „langen Kanten“ hat sicher das Trailrunning. Ich mag es überhaupt nicht hier von „Trendsportart“ zu sprechen, aber Fakt ist, dass die Trailrunning-Gemeinde in den letzten Jahren überproportional gewachsen ist und mit ihr das Interesse an den Distanzen jenseits der 42 Kilometer. Denn im Gelände sind diese Distanzen alles andere als exotisch.

Vorbei ist die Zeit, dass der typische Ultramarathoni ein älterer Mann ist, der an seinen Klamotten der 80er und 90er Jahre festhalten will und, da er längst sein Tempo verloren hat, nun sein Läuferglück auf den ganz langen Strecken sucht. Wer dieses sucht, der wird sehr wahrscheinlich fündig, doch was man mittlerweile hier auch findet, das sind junge Athleten, von nicht einmal 30 Jahren oder gerade mal knapp darüber und mit einer Grundschnelligkeit gesegnet sind, von der so manch 10.000-Meter-Läufer nur träumen kann. Sie machen die Wettbewerbe wieder spannend und sorgen für frischen Wind in der Szene.

An Qualität fehlte des den Ultrasportlern in Deutschland bisher nicht. Ob über 100 km, im 24-Std-Lauf, auf klassischen Strecken wie dem Spartathlon, Comrades, Badwater oder den „richtig langen Sachen“, wie 48-, 72-Stunden, 6-Tage-Lauf oder Transeuropalauf, waren es Deutsche wie Michael Sommer, Wolfgang Schwerk, Charly Doll u. v. m. die den führenden Nationen des Ultralaufs immer wieder das Fürchten gelehrt haben.

Doch nun kommen „die Neuen“! Mal ebenso vom Marathon auf die 50 km gewechselt, fegte der Berliner Paul Schmidt bei den Deutschen Meisterschaften 2016 in einem Schnitt von 3:22 min/km über die 50 km und verbesserte den Rekord auf 2:49:06 Stunden. Typen wie Florian Flow Neuschwander und die grandiosen Leistungen eines Florian Reus, der mit 31 Jahren Weltmeister im 24-Std-Lauf wurde und im selben Jahr den legendären Spartathlon gewann, lenken die Öffentlichkeit auf den Sport. Es formen sich Vereine, die sich dem Ultramarathon verschrieben haben und es gibt mittlerweile sogar eine Bundesliga!

Am kommenden Samstag, den 2. April 2016, findet in Nürnberg eine der jüngsten Deutschen Meisterschaften statt. Auf einer 1522 Meter langen Runde werden Deutschlands beste 6-Stunden-Läufer ermittelt. Bei der vierten Austragung dieser Meisterschaft, die leider nicht mal im Promillebereich des Interesses der Meisterschaft des Königs Fußball steht, drehen ca. 250 Athleten und Athletinnen ihre Runden um die Wöhrder Wiese, die an diesem vorhergesagt sehr sonnigen Tag vielleicht zumindest zufällig den Ultralauf einigen „Zuschauern“ näher bringen wird. Das Feld verspricht jedenfalls größte Spannung wenn Niels Bubel (Die Laufpartner Berlin / ASICS Frontrunner), der bisher auf den 50 km Zuhause war, gegen den amtierenden Deutschen Meister im 6-Std-Lauf, dem Ungarn und für die LG Bamberg startenden Adam Zahoran antritt. Mindestens sieben weitere Athleten sind in der Lage um die 85 km laufen zu können, eine Distanz, die in der Vergangenheit für das oberste Treppchen ausgereicht hat. Als Lokalmatador und amtierender Deutscher Meister über 100 km werde ich natürlich versuchen so lange wie möglich ein Wörtchen mitzureden. Da ich jedoch noch in der Aufbauphase für diese junge Saison bin steht der Spaß und „Erkenntnisgewinn“ aber vor allem die Begeisterung für den Ultramarathon im Vordergrund!

Carsten Stegner
Viele Grüße, euer Carsten
Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.