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Photocredit: Norbert Wilhelmi

Hamburg, sechs Jahre später… …die Verarbeitung eines „Traum(a)s“.

Ach was, es ist doch nur Sport!!! Aber durchaus musste ich im Vorfeld hin und wieder daran denken, dass ich bereits sechs Jahre zuvor beim Hamburg Marathon am Start stand. Auch damals war in diesem Rahmen die Deutsche Polizeimeisterschaft im Marathonlauf angesetzt und ich stand im Trikot der Bayerischen Polizeimannschaft am Start. Vielmehr als heute war meine damalige Zielrichtung eine Bestzeit über die 42,195 km aufzustellen. Unter 2:30 Stunden sollte es gehen, zugegebener Maßen, zwei Wochen zuvor auch schon einen Marathon – wenn auch mit angezogener Handbremse – zu laufen, sowie das frühsommerliche Wetter in der Hansestadt aber vor allem wohl der innere Druck standen dem entgegen. Völlig verkorkst und schon nach der Hälfte hätte ich am liebsten das Rennen beendet. Für die Mannschaft schleppte ich mich krämpfegeplagt bis zur Ziellinie, die ich erst nach 2:45 Stunden, meiner langsamsten Marathonzeit, erreichte. Der Lohn: als Dritter der Bayerischen Mannschaft trug ich meinen Teil zur Goldmedaille im Team bei. Also von wegen Trauma, bei so einem Erfolg, ein Traum!

Dennoch hatte ich eine Rechnung mit der Strecke offen. Denn von einem Genuss auf der, wie es der Veranstalter selbst nennt, Städte-Sightseeing-Runde, konnte 2011 keine Rede sein – und das wollte ich nachholen. Ohne sportliches Ziel geht es trotzdem nicht und so war meine persönliche Zielvorgabe eine 2:35, welche ich doch ziemlich sicher erreichen sollte und somit ein solides Fundament für eine ordentliche Mannschaftsleistung setzen kann. Bei der Vergabe des „Einzel-„Titels habe ich ohnehin nicht mitzureden. Auch wenn nicht alle Marathongranaten der Polizei am Start waren, so war klar, dass der Titel des Deutschen Polizeimeisters im Duell zwischen dem Sachsen Marcus Schöfisch und dem Thüringer Marcel Bräutigam entschieden würde. Die beiden machten es schließlich auch sehr spannend und erst auf den letzten Kilometern zeigte der amtierende Deutsche Meister und neue Deutsche Polizeimeister Schöfisch wer den längeren Atem hat und siegte mit PB 2:17:56 Std  – als bester Deutscher. Zwischen ihn und Marcel (2:19:48 Std) „quetschte“ sich noch Frank Schauer (2:18:18 Std).

Drei deutsche Athleten unter 2:20 Std, Vier Männer unter 2:10 Std, 40 Frauen unter 3 Stunden, fast 12.000 Marathonis im Ziel und unzählige euphorische Zuschauer an der Strecke – und das bei echt widrigen Wetterverhältnissen – der Hamburg Marathon zeigte ein weiteres Mal seine Klasse.

Habe ich zu Beginn des Textes über zu warme Verhältnisse 2011 gejammert? Also zu warm war es in diesem Jahr jedenfalls nicht. Gleich wenige Minuten nach dem Start ging ein ordentlicher Graupelschauer über der Stadt nieder, der die Läufer und Zuschauer durchnässte und die Straßen in Rutschbahnen verwandelte. Danach wechselten sich kurze Sonnensequenzen mit Regenschauern und einer steifen Brise ab. Auch an dieser Stelle kann und muss ich nochmal die wohl einzigartige Stimmung an der Strecke hervorheben – einfach blöd, wer das nicht genießt! #selbstandienasefassend

An diesem Sonntag tat ich es. Und obwohl ich etwas den Start verschlafen hatte und mich eher mühevoll bis zu den Landungsbrücken wieder an die zeitweise 200 Meter vor mir laufende Gruppe herankämpfte, hatte ich immer ein Auge und ein offenes Ohr für das was da am Streckenrand passierte.

Photocredit: Norbert Wilhelmi

Bis zum Halbmarathon war es – zumindest renntaktisch – ein für mich unspektakuläres Rennen. Ich lief in einer Gruppe, die nicht wirklich homogen war und sich ständig etwas auseinander zog und hin und wieder mit maximal fünf Läufern etwas kompakter war. So richtig wollte offensichtlich niemand so richtig einen Windschattengeber spielen und so stand irgendwie jeder im Wind. Nach dem Halbmarathon löste ich mich gemeinsam mit meinem bayerischen Kollegen, Andreas Hecht, nach vorne heraus, ohne jedoch das Tempo deutlich zu forcieren, und näherte mich der Gruppe um Mona Stockhecke, die ihr Ziel 2:29 Std nun schon deutlich verfehlte aber – Gratulation – sich noch eisern und mehr als ordentlich durchkämpfte. Meine Durchgangszeit war mit 1:17:52 Std noch im Soll – wenn auch an der oberen Grenze. Nur wenig später lief ich an der „Mona-Gruppe“ vorbei und orientierte mich nach vorne. Andi entschied sich, nachdem nun der Wind wieder stärker wurde, sich in die Gruppe zurückfallen zu lassen. Somit setzte ich nun meinen „Stadtrundgang“ alleine fort und konzentrierte mich auf mich selbst. Bei diesem Tempo sollte es doch möglich sein, eine schnellere zweite Hälfte zu laufen, auch wenn mir in der Vorbereitung wichtige Tempoeinheiten fehlten. Als Ultramarathonläufer weiß ich natürlich, dass man sich genau diese Gedanken nicht machen darf. Positiv denken! Strecke genießen, locker bleiben und sich über die gut funktionierenden Beine freuen. Hin und wieder durfte ich noch ein paar langsamer werdende Mitstreiter einsammeln – auch ein schönes Gefühl, wenn man selbst das Tempo noch gut halten  kann.

Photocredit: Norbert Wilhelmi

Nach 2:35:21 Std überquerte ich schließlich die Ziellinie an der Messe. Andy musste am Ende ein paar Körner lassen, sicherte sich in 2:37:55 Std eine PB. Als nächster Polizist kam schließlich schon Lukas Storath, der erst zwei Wochen vor dem Marathon von seiner „Nominierung“ erfuhr. In ausgezeichneten 2:41:07 Std finishte das Allroundtalent seinen „ersten langen Lauf des Jahres“. Unser vierter Kollege, Robert Ruff, der leider etwas kränkelnd an den Start ging, biss sich auch noch in unter 2:50 Std durch.

Mit dieser kompakten Mannschaftsleistung war der Bayerischen Polizei der Mannschaftstitel nicht streitig zu machen und wir holten ein weiteres Mal die Goldmedaille im Marathonlauf vor der Bundespolizei und Rheinland-Pfalz.

Lukas Storath, Andreas Hecht, Carsten Stegner, Robert Ruff

Vielen Dank auf diesem Weg an die Veranstalter des Haspa Marathon Hamburg sowie das Organisationskomitee der Hamburger Polizei für diese perfekt ausgerichtete Meisterschaft. Danke der Bayerischen Polizei, dem BPSK und den einzelnen Präsidien, dass es trotz akuter Personalnot dennoch möglich ist, an solchen Veranstaltungen und den damit verbundenen Vorbereitungsmaßnahmen teilzunehmen!

Danke auch an Aktiv³, die uns mit der richtigen Energie versorgten!

 

Carsten Stegner
Carsten Stegner
Als passionierter Läufer berichte ich in diesem Blog von meinem Training, meinen Wettkämpfen und gebe meine Erfahrungen bezüglich dem von mir genutztem Equipment weiter. Mehr zu meiner Person und zum Thema Laufen gibt´s auf www.pure-run.de

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