OCR – Obstacle Course Race

Oder auch (Extrem) Hindernis Rennen

Zum Thema „Extrem“ habe ich meine ganz eigenen Ansichten, welche sich aber durchaus mit den Erläuterungen auf Wikipedia decken.

Zitat aus Wikipedia zum Thema Extremsport:

Die Beurteilung eines Sportes als „Extremsport“ ist vielfach subjektiv bzw. der Übergang ist diffus. So können viele gängige Sportarten exzessiv oder mit erhöhtem Risiko als „Extremsport“ betrieben werden, z.B. Mountainbiken, Skilaufen, Klettern oder Langstreckenlauf. Andere Sportarten wirken nur auf Außenstehende extrem, wie z.B. Bungee-Jumping, wo es kaum ein wirkliches Risiko, Höchstanforderungen oder Schwierigkeiten gibt, sondern nur einen durch die Umstände bedingten Nervenkitzel. Die meisten Extremsportler betrachten ihren Sport nicht als extrem, viele bezeichnen ihn sogar als „Familiensport“.

 

Hindernisrennen sind groß im Kommen. Vor wenigen Jahren noch als „verrückter Funsport“ abgetan, wird es mittlerweile professionell und erfreut sich bei vielen tausenden Teilnehmern immer größerer Beliebtheit. Tauchen Sie ab – nicht nur in eiskaltes Wasser – sondern in die Faszination „Obstacle Course Racing (OCR)“.

Bereits in der Antike gab es Hindernisrennen. In der Neuzeit waren es dann zunächst Angehörige von Spezialeinheiten der Polizei und des Militärs, welche über die den Hindernisparcours geschickt wurden. Im Jahr 1987 machte der ehemalige britische Soldat William „Billy“ Willson den Hindernislauf schließlich für alle Zivilisten zugänglich, als er zum ersten Mal das legendäre „Tough Guy Race“ veranstaltete.

Nach nunmehr 30 Jahren haben die Obstacle Course Races einen regelrechten Siegeszug angetreten. 2010 war der „Fisherman´s Friend Strongman“ das erste und einzige OCR in Deutschland, inzwischen gibt es in der Republik mehr als 100 Hindernisrennen, die ihren „Toughest Man“ bzw. ihre „Toughest Woman“ suchen.

Der härteste Kerl der Welt

Mit diesem Titel wurde der Thüringer Charles Franzke (siehe Interview unten) bezeichnet als er 2014 als jüngster Teilnehmer den „Tough Guy“ gewinnen konnte. Neben dem Göttinger Knut Höhler gilt er wohl als Vorreiter der deutschen OCR-Szene. Und diese Szene ist geradezu am explodieren. Neben einigen OCR-Spezialisten finden sich überwiegend Läufer, sogar Spitzenläufer, Triathleten sowie Fitness-, Kraft- und Freizeitsportler jeglicher Couleur unter den Teilnehmern der sogenannten Extremläufe.

Platz 1 auf der „Härteskala“

Als Messlatte bei Marathonrennen zählen die Finisherzahl und die erreichten Zeiten.

Beim OCR geht es darum, das härteste oder extremste Rennen zu sein. Nach dem Aus des „Tough Guy“ in diesem Frühjahr ist „Getting Tough – The Race“ laut Veranstalter und Umfrage auf dem besten Weg dahin, diesen Titel für sich zu beanspruchen.

Doch die Konkurrenz ist groß. Neben den vielen großen und kleinen nationalen Veranstaltungen, gibt es internationale Serien wie „Tough Mudder“ oder das „Spartan Race“. Letzteres mit über 1 Million Startern bei 170 Rennen in 25 Ländern.

Keine Angst!

„Extremlauf“, „härtestes Rennen“, „nichts für Weicheier“  – diese und noch viel mehr Aussagen sind in den Ausschreibungen der Hindernisrennen zu finden. Doch keine Angst, (fast) jedes OCR ist auch für Anfänger geeignet! Hierbei ist es auch völlig egal welchem Geschlecht Sie angehören. Hindernisrennen sind bei weitem keine Männerdomäne!

Wer Sport gerne in Gemeinschaft erlebt oder sich nicht gleich alleine traut die ca. 20 Hindernisse einer Mitteldistanz von rund 15 km zu bewältigen tritt am besten mit einer ganzen Gruppe an. OCR ist auch Teamsport!

Schnelligkeit oder Kraft?

Um ein OCR erfolgreich zu finishen benötigt es mehr als „nur“ Schnelligkeit und Kraft. Eine ordentliche Portion Ausdauer sowie weitere konditionelle Fähigkeiten wie Koordination, Beweglichkeit, Balance sowie die mentale Stärke sind Voraussetzungen für ein gutes Gelingen bei einem „Extremlauf“. Denn im Vergleich zum klassischen Hindernislauf der Leichtathletik wird der Laufrhythmus durch unterschiedlichste Hindernisse unterbrochen, welche sich in ihrer Anforderung erheblich unterscheiden. Während manche durch Sprung- oder Armkraft zu überwinden sind, bedarf es bei anderen der entsprechenden Technik oder einer gewissen Geschicklichkeit. Zu den Streckenlängen von 4 bis über 30 Kilometer oder sogar Ultradistanzen bis 100 km gesellen sich nicht selten auch noch eine Menge Höhenmeter sowie allgemein schwierig zu laufender Untergrund. Dies alles gilt es im Trainingsplan zu berücksichtigen.

OCR-Training im Lauftraining integrieren

Grundlage im OCR ist das Lauftraining. Um die Hindernisse bewältigen zu können bedarf es natürlich noch einem Kraft- und Techniktraining. Dank dem OCR haben die altgedienten „Trimm-dich-Pfade“ wieder Hochkonjunktur. Einige Stationen lassen sich ganz hervorragend für ein OCR-Training nutzen. Zwischen den Stationen dürfen Sie mit einem Sprint zur nächsten Übung auch Ihre Schnellkraft trainieren und wenn eine Station nicht unbedingt einem sinnvollen OCR-Training entspricht, führen Sie einige „Burpees“ durch.

Neben den Trimm-dich-Pfaden gibt es inzwischen immer mehr Calisthenics-Parks. Hier finden Sie einzelne Geräte an welchen Sie sich hervorragend auf diverse Hindernisse des OCR vorbereiten können. Einen Trimm-dich-Pfad oder Calisthenics-Park in Ihrer Nähe finden Sie hier:  www.trimm-dich-pfad.com  https://calisthenics-parks.com/de

Die richtige Ausrüstung

Wenn Sie nicht zu der Fraktion gehören, die mit spezieller Verkleidung am OCR teilnehmen möchte, so sei Ihnen eine funktionelle Ausrüstung empfohlen. Möglichst eng anliegende Sportfunktionswäsche, die sich nicht mit Wasser vollsaugt und nicht an Hindernissen hängen bleibt. Als Laufschuhe bieten sich Trailrunningschuhe mit ordentlichem Profil an. Eventuell kann es ratsam sein, Langlauf- oder Radfahrhandschuhe zu tragen.

 

 

 

 

Eine kleine Lister ausgewählter nationaler und internationaler OCR Events:

 

Interview Charles Franzke

Du bist Sportler von Kindesbeinen an. Wie kam es dazu, dass du vom Leistungssport Biathlon zu der damals noch eher unbekannten Sportart Hindernislauf, bzw. OCR gewechselt hast?

„Ich hatte mit dem Abschluss auf dem Sportgymnasium auch mit dem Biathlon abgeschlossen. Von da an nahm ich an einigen Volksläufen teil, bis ich gemeinsam mit meinem Vater zufällig auf den Hindernislauf „Getting Tough – The Race“ gestoßen bin. Die Teilnahme daran hat sofort mein absolutes Interesse an OCR geweckt.“

 

Als 2010 die Hindernisläufe in Deutschland Einzug hielten, wurden die Teilnehmer oft belächelt. Hattest du als Leistungssportler auch diesen Gegenwind gespürt und hat sich mittlerweile das Bild der OCR in der Öffentlichkeit geändert?

„Am Anfang hatten die Wettbewerbe in der Tat überwiegend, jedoch nicht ausschließlich, Fun-Charakter. Viele Teilnehmer verkleideten sich und stellten dies in den Vordergrund, doch auch da gab es schon einige Wettkämpfer die den sportlichen Charakter klar in den Vordergrund stellten. Viele Menschen haben die Veranstaltungen belächelt, vor allem diejenigen die aus den traditionellen Sportarten wie der Leichtathletik oder dem nordischen Skisport kamen. Andere sagten aber gleich, dass der Sport eine große Zukunft hat. Mittlerweile hat sich gezeigt wo die Reise hingeht. Der Sport wird inzwischen sehr ernst genommen es gibt sogar Überlegungen die Sportart in einen Verband einzugliedern. Auch die Tatsache, dass einige Topsportler aus anderen Disziplinen zum OCR wechseln, bzw. hin und wieder an den Rennen teilnehmen, zeigt, dass das OCR mittlerweile große Anerkennung gefunden hat.“

 

Hast du dich vor deinem ersten Start bei einem OCR speziell darauf vorbereitet?

„In erster Linie führte ich ein ganz gewöhnliches Lauftraining durch. Krafttraining war ohnehin Bestandteil meines Trainings. Diese beiden Einheiten trennte ich auch feinsäuberlich. Spezielles Training für die Hindernisse hatte ich nicht durchgeführt.“

 

Wie bereitest du dich mittlerweile auf deine Rennen vor?

 „Ich habe einen speziellen Trainingsplan in Bezug auf das Laufen mit einer sogenannten Doppelperiodisierung für die zwei Wettkampfhöhepunkte des Jahres. In mein Lauftraining baue ich einige Krafteinheiten ein. Außerdem absolviere ich meine Läufe meist auf einer speziellen Runde, die genau auf OCR abgestimmt ist. Sie ist ungefähr einen Kilometer lang und führt mich immer wieder in meinen Garten zu einem Hindernis.“

 

Das heißt, Du baust sogar spezielle Hindernisse nach?

„Ich habe ein multifunktionelles Hindernis in meinem Garten aufgebaut. Dieses Bauwerk umfasst die gängigen Hindernisse wie z. B. eine Eskaladierwand und Möglichkeiten zum Hangeln. Schwerpunkte im OCR sind Klettern, Hangeln aber auch Gewichte tragen. Um letzteres zu trainieren, benutze ich Sandsäcke und gefüllte Eimer.“

 

Wie sieht dein Lieblingsparcours aus?

„Die Laufstrecke ist nicht länger als 15 km und ist gespickt mit vielen anspruchsvollen Hindernissen zum Hangeln und Klettern. Gerne können auch einigen Höhenmeter zu bewältigen sein.“

 

Neben den von dir genannten Hindernissen sieht man auch immer brennende Strohballen bei den Hindernisrennen, sowie Wassergräben in welche auch im Winter abgetaucht werden muss.

„Hindernisse mit Feuer sorgen natürlich für tolle Bilder, gefährlich ist das aber nicht. Ganz allgemein wird ein hoher Wert auf die Sicherheit der Teilnehmer gelegt.

Eiskaltes Wasser fordert die Teilnehmer! Hier wird die mentale Stärke unter Beweis gestellt. Diese Erfahrung, in Eiseskälte auch mal abzutauchen, muss man einfach mal gemacht haben. Auf das Abtauchen bei diesen Bedingungen bereite ich mich richtig vor. Teilweise baue ich es in mein Lauftraining ein und manchmal laufe ich im Winter extra einen Kilometer hinunter zur Saale, springe rein und laufe wieder nach Hause. Das härtet ab, ich bin fast nie krank, außerdem lernt man, wie sich der Körper bei Extremsituationen verhält und kann diese besser einschätzen.“

 

Wie empfiehlst du einem Anfänger an sein erstes OCR heranzugehen?

„Am besten man sucht sich eine kleine Gruppe mit der man das Rennen und das Training gemeinsam bestreitet. Das Training macht dann noch mehr Spaß und im Wettkampf kann man sich gut gegenseitig unterstützen.“

 

 Gegenseitige Hilfe ist also im OCR erlaubt?

„Sie ist eigentlich sogar der Kernpunkt und die Faszination im OCR! Lediglich im Elitefeld der Teilnehmer ist keine Hilfe erlaubt.“

 

Die Veranstalter erfinden ständig neue Hindernisse um sich auch von anderen Veranstaltungen abzusetzen. Wird dieser Trend irgendwann mal gefährlich?

„Es gibt zwar immer mal ein paar Experimente. Wenn man dann aber beim Testen bemerkt dass die Hindernisse so nicht stimmig sind oder ein Risiko darstellen, werden sie auch nicht aufgestellt. Sicherheit ist das A und O! Insbesondere die großen Läufe achten sehr auf funktionierende Hindernisse.“

 

Wie siehst Du die Zukunft im Obstacle Course Racing?

„Es gibt eine weitergehende Professionalisierung. Die Strukturen für die Sportler werden sich verfestigen und es wird mehr Läufe und mehr Teilnehmer geben.“

 

Wie siehst Du deine persönliche Zukunft?

„In diesem Jahr (2017) möchte ich nochmal richtig durchstarten und gute Leistungen bei vielen schönen Rennen zeigen. Der Plan für nächstes Jahr wird sich nach der WM zeigen. Diese findet wie letztes Jahr in Blue Mountain, Canada, statt. Über verschiedene Qualiläufe habe ich mich bereits für die WM am 15. Oktober (2017) qualifiziert.“

 

Kannst Du etwas aus deinem Sport mit ins „normale Leben“ mitnehmen?

„Ja, definitiv! OCR hat mir beigebracht, dass man Hindernisse, die man im richtigen Leben in den Weg gestellt bekommt, Alternativen und die Kraft findet diese zu überwinden und erfolgreich zu meistern.“

 

Vielen Dank Charles und viel Erfolg für deine sportliche und private Zukunft!