42.195 Meter

Der Marathon

Seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit ist der Marathon im Programm. Die Streckenlänge variierte jedoch zunächst und beträgt erst seit den Olympischen Spielen 1924 in Paris 42,195 km.

Während die Bewältigung einer Marathonstrecke damals noch einer Heldentat gleichkam, wurde dies nach 1970 zu einem Leistungsziel vieler Freizeitsportler und ist nunmehr wohl schon fast eine Mussveranstaltung für viele Freizeitsportler. Veranstaltungen mit über 35.000 Marathonis zeugen von dem rasanten Anstieg und der wachsenden Beliebtheit des Marathons. Doch nicht nur im Großstadtjungel sondern auch in kleinen Gemeinden, auf mehr oder weniger profilierten Strecken, durch Wälder, überwiegend Bergab als sogenannten „Speedmarathon“ für jeden der seine Zeit „verbessern“ möchte oder im Hochgebirge kann Mann und Frau die 42,195 km bewältigen.

Letzteres war nicht immer so. Denn erst 1983 durften Frauen bei Leichtathletikweltmeisterschaften auf der Marathonstrecke starten. Zuvor galt die Annahme, dass Frauen nicht ausdauerleistungsfähig seien. Ein Grund hierfür waren mitunter die dramatischen Zusammenbrüche mehrerer Athletinnen nach dem 800-m-Rennen während der Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam. Danach wurden längere Laufwettbewerbe für Frauen als nicht zumutbar bzw. gesundheitsschädlich angesehen. Erst nach und nach wurden Frauen wieder für längere Strecken zugelassen.

Paula Radcliffe Weltrekord

Paula Radcliffe bei ihrem Rekord (für die Ewigkeit?) 2003 in London

Dies wirkte sich auch auf die Rekorde im Frauenbereich aus, die lange Zeit den Männern extrem hinterherhinkten und erst in jüngster Vergangenheit aufschlossen. So gab es in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts bei den Frauen extreme Leistungssprünge im Marathonbereich durch chinesische Läuferinnen. Den aktuellen Weltrekord hält Paula Radcliffe seit dem London-Marathon 2003 in 2:15:25 Std. Beste deutsche Marathonläuferin ist Irina Mikitenko (2:19:19 Std. Berlin 2008). (Stand November 2014)

Doch auch im Männerbereich verbesserte sich innerhalb von 100 Jahren der Marathonweltrekord um über 40 % – so viel wie in keiner anderen Leichtathletikdisziplin – von 2:55:18 Std .(1908) auf 2:03:59 Std. (2008). Die Entwicklung von Rekorden (nicht nur) beim Marathon ist eng mit dem Kommerz verbunden. Bereits 1985 wurde zum New-York-Marathon für das Unterbieten der Zeit von 2:06 Std mit einer Million Dollar geworben. Im Jahr 2011 gab es diese Versprechung leider nicht. Für seinen famosen Streckenrekord von 2:05:06 Std bekam Geoffrey Mutai 130.000 $ Siegerprämie, sowie 70.000 $ für die Verbesserung der Bestzeit. Dieser Trend zu immer schnelleren Marathonläufen hält an und so verbesserte Haile Gebrselassie 2007 und 2008 beim Berlin-Marathon die Weltbestzeit auf 2:03:59 Std. Berlin ist seit dem das beste Pflaster, was Weltrekorde angeht. Patrik Makau und Wilson Kipsang standen in den Folgejahren ganz oben in der Weltbestenliste. 2014 war es dann endlich soweit: zum ersten Mal gelang es einem Menschen unter 2:03 Std zu laufen. Dennis Kimetto zauberte eine 2:02:57 Std auf den Berliner Asphalt.

Dennis Kimetto Weltrekord

Dennis Kimetto bei seinem Weltrekord 2014 in Berlin

Viel mehr Zahlen gibt es hier: Marathonstatistik (Herbert Steffny)

Marathontraining

Um immer schneller zu werden, werden wie in allen anderen Sportarten hochwissenschaftliche Trainingspläne für die Topathleten erstellt. Doch auch der ambitionierte Leistungssportler bis hin zum blutigen Anfänger kann sich mittlerweile eine Vielzahl von Trainingsplänen im Internet erstellen lassen oder in Büchern bzw. einschlägige Laufzeitschriften nachlesen. Teilweise werden sie individuell auf den Einzelnen zugeschneidert, teils den Trainingsplänen der Topathleten nachempfunden oder kopiert. Eines sollte aber jeder künftige Marathoni wissen: „In sechs Wochen zum Marathon“, wie es manchmal suggeriert wird, ist nur möglich wenn die entsprechende Grundlage schon vorhanden ist! Ansonsten läuft man nach 6 Wochen Training genauso wenig einen Marathon wie man nach 6 Wochen aus einem Bierbauch einen Waschbrettbauch macht…

Haile Gebrselassie

Einer der Größten des Marathonlaufs: Haile Gebrselassie

 

…history…

Rekordjagd und das „schnelle Geld“

Den Topathleten ist die Jagd nach Rekorden inzwischen meist wichtiger geworden als ein Einsatz bei Weltmeisterschaften. Da aus rein physiologischen Gründen eine Bestleitung im Marathon nicht mehrmals im Jahr abgerufen werden kann, konzentrieren sich die Stars der Szene auf die großen Frühjahrs- bzw. Herbstmarathonläufe. Bei den im Sommer stattfinden Welt- und Kontinentalmeisterschaften verhindern schon allein die höheren Temperaturen eine Bestzeit. Die Veranstalter der großen Marathonläufe locken mit sehr hohen Antrittsprämien (250.000 € für Gebrselassie in Berlin 2009) und – für Leichtathleten – wahnsinnigen Preisgeldern. So bietet Dubai für einen neuen Weltrekord 1.000.000 $.

Ein Sieg bei der WMM-Serie (World Marathon Majors) brachte Irina Mikitenko 2009 zum zweiten Mal hintereinander 500.000 $ ein. 2010 war es Samuel Wanjiru († 2011) der nach seinem zweiten Sieg Dollar-Millionär wurde. Nach System werden bei den Marathons von London, Boston, Berlin, Chicago und New York für die Plätze eins bis fünf Punkte verteilt. Vier Läufe kommen am Ende in die Wertung. Zwar kommen in diese Wertung auch Marathonläufe bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, doch wird ein Athlet der die Serie gewinnen möchte, sich aus rein taktischen Gründen meist gegen letztgenannte Läufe entscheiden. Schade ist das für die Nationenwertung. Irina Mikitenko, die zwar das DLV-Trainingslager in St. Moritz für die Marathon-WM 2009 bestritt, diese aber kurzfristig absagte, sicherte sich schließlich mit ihrem zweiten Platz in Chicago den Sieg in der WMM-Serie.

Auf der oben verlinkten Seite der WMM findet man sehr viele interessante Details zu den aktuellen Top-Marathonläufern.