Lang – länger – ULTRA

Der Ultramarathon

Ultra (lat.) – über, hinaus
Das aus dem Lateinischen kommende Wort „Ultra“ plus dem griechischen Wort „Marathon“ steht als bunt zusammen gewürfelte Begriffsbestimmung für alle Läufe die – folgerichtig – länger als 42,195 km sind.

Distanzläufe     Etappenläufe    Stundenläufe

In der Regel wird der 50-km-Lauf als kleinste Einheit des Ultramarathons angesehen. Ab dieser Kilometerzahl sind nach oben dann keine Grenzen mehr gesetzt. Was die sogenannten Stundenläufe betrifft, so befindet sich der 6-Std-Lauf an der unteren Grenze der Definition „Ultramarathon“. Denn mancher Läufer der sich anstellt, die 42,195 km Marke zu knacken, benötigt hierfür mehr als sechs Stunden – umgekehrt erreicht der ein oder andere 6-Std-Läufer nach Ablauf der Zeit nicht die magischen 42,195 oder gar die 50-km.

Arten des Ultralaufes:

1. Distanzläufe

Wie bereits erwähnt gilt jede Distanz welche über die 50 km hinaus geht als Ultramarathon / Ultralauf. Diese Läufe werden entweder auf einer langen Rundstrecke, mehreren großen Runden oder vielen kleineren Runden gelaufen. In Verbindung mit einem Etappenlauf geht die Strecke meistens von A nach B.

Nationale wie auch internationale Meisterschaften werden lediglich im 100-km-Lauf ausgetragen. Die Strecke muss durchgehend asphaltiert sein, um als Meisterschaft zu gelten. Um eine gute Zeit zu erzielen sollte sie natürlich auch flach sein. Der Weltrekord besteht nunmehr seit 31 Jahren und wurde 1978 vom Briten Don Ritchie gelaufen. Er benötigte 6:10:20 Std. Den deutschen Rekord hält Kazmierz Bak in 6:24:29 Std aus dem Jahr 1994.

Michael Sommer

Ultra-Läufer Michael Sommer

Der wohl beständigste deutsche 100 km Läufer ist wohl Michael Sommer, 2012 wurde er zum neunten Mal Deutscher Meister. Bei den Frauen führt die Japanerin Tomoe Abe die Weltbestenliste an. 2000 lief sie auf der Bahn 6:33:11 Std. Auf der Straße liegt der Frauenrekord bei 7:14:22 Std; ebenfalls durch eine Japanerin, Norini Sakurai. Der deutsche Rekord liegt gerademal 4 1/2 Minuten drüber und wird von Birgit Lennartz aus dem Jahr 1990 gehalten (7:18:57 Std). Mit 43 Jahren feierte Birgit 2008 ihr Comeback mit ihrem insgesamt 8. Sieg beim Rennsteiglauf und einem vierten Platz in Biel.

Eine weitere beliebte Strecke, welche auch oft amtlich vermessen ist und über welche Bestenlisten geführt werden ist der 50-km-Lauf. Bestenlistentauglich sind hier natürlich in erster Line die flachen Strecken. Den Anfang im Jahr macht hier Rodgau, falls das Wetter mitspielt, können auf der 5-km-Runde die Bestzeiten purzeln. Sehr beliebt sind aber auch die hügeligen, bzw. bergigen (Trail-)Läufe, z. B. Schwäbisch Albmarathon. Vor allem im amerikanischen Raum aber auch immer mehr in Europa bzw. Deutschland zu finden sind die 100-Meilen. Diese Distanzen werden sehr gerne im Gelände, mitunter sogar im hochalpinen Gelände gelaufen. (z. B. Zugspitz Ultra-Trail 100 km).

Die größte Anzahl an Ultraläufen sind die sogenannten „krummen“ Strecken. In Deutschland besonders erwähnenswert ist hier sicher der Rennsteiglauf. Dessen längste Strecke, der „Supermarathon“ geht über 72,7 km von Eisenach nach Schmiedefeld über die Höhen des Thüringer Waldes. Bei diesem – wie es der Veranstalter nennt – größten Crosslauf Europas (wenn man die Teilnehmer aller Läufe zusammenzählt) wagen sich jährlich über 2.000 Teilnehmer an die Maximaldistanz. Der Weltweit größte Ultralauf ist der Comrades in Südafrika. Im Jahr 2008 waren fast 13.000 Läufer am Start der 89 km langen Strecke die jährlich wechselnd von Durban nach Pietermaritzburg oder umgekehrt gelaufen wird. Innerhalb des Zeitlimits von 12 Std. kamen 10.005 Ultraläufer ins Ziel.

Florian Reuss beim Spartathlon 2014

Florian Reuss beim Spartathlon 2014

Selbstverständlich ist nach 100 Meilen noch lange nicht Schluss. Einen sehr hohen Stellenwert in der Szene hat der Spartathlon. Ende September starten ca. 300 „Spartathleten“, die die Vorraussetzungen erfüllt haben bei diesen 246 km nonstop von der Akropolis in Athen nach Sparta zu laufen. Das Zeitlimit liegt bei 36 Stunden. Der Lauf orientiert sich an der Strecke die der Kriegsbote Pheidippides 480 v. Chr. genommen haben muss, um in Sparta Hilfe für die Athener zu holen, welche in der Ebene von Marathon gegen die überlegenen Perser kämpften. Der Deutsche Florian Reus mischt hier ganz vorne mit und musste sich 2014 mit einer atemberaubenden Zeit von unter 24 Stunden nur Ivan Cudin geschlagen geben.

Der wohl heißeste Ultralauf ist der Badwater Ultramarathon.

Badwater

Badwater Ultramarathon

135 Meilen (217 km) geht es durch das Death Valley in den USA von 86 m unter dem Meeresspiegel zum Mount Whitney Portal auf 2.530 m üNN. Doch nicht die extreme Länge oder der Höhenunterschied macht diesen Ultralauf zu einem der schwersten überhaupt. Es ist die Temperatur, die viele Teilnehmer zum Aufgeben zwingt. So machen jährlich Fotos die Runde, auf welchen die Betreuer in einer Pfanne die lediglich auf dem Asphalt steht, Eier braten.

UTMB

Rund um das höchste Felsmassiv der Alpen

Wie bereits oben erwähnt wagen sich die Ultraläufer auch ins hochalpine Gelände. Die ultimative Herausforderung eines jeden „Ultrabergläufers“ ist sicher der Ultra Trail international du Tour du Mont Blanc (UTMB). Auf 163 km geht es mit 11.000 Höhenmetern einmal Rund um das Mont-Blanc-Massiv. Die Athleten die größtenteils dem Fernwanderweg um den Mont-Blanc folgen müssen hierbei eine Menge an Pflichtausrüstung (vor allem eine leistungsfähige Stirnlampe für die z. T. gefährlichen Passagen mitten in der Nacht) mitführen und das Ziel nach spätestens 45 Stunden erreicht haben.

2. Etappenläufe

Eine weitere Art des Ultralaufes ist der Etappenlauf. Teilweise sind hier die Grenzen zum Distanzlauf verschwommen. Denn bei manchen Distanzläufen ist die Strecke dermaßen lang, dass es unmöglich ist, diese Distanz am Stück zu laufen. Dem Ultraathleten ist es dann selbst überlassen, wann er eine Pause einlegt. Die Dauer der Pausen sind zum Teil vom Veranstalter reglementiert.

Ein Beispiel für so einen Lauf sind die 3.100 Meilen (!!!) von New York, das längste bestätigte Rennen der Welt. Auf einer 883 m langen Runde im Stadtteil Queens haben die Athleten maximal 51 Tage Zeit die ca. 6.200 Runden zu bewältigen. Von Mitternacht bis 6 Uhr ist die Strecke geschlossen. Rekordhalter auf dieser Strecke ist Wolfgang Schwerk. Er schaffte die 3.100 Meilen 2006 in 41 Tagen, 8 Stunden, 16 Minuten und 29 Sekunden.

Der typische Etappenlauf geht jedoch von A nach B, üblicherweise ist am Morgen Start und innerhalb eines Zeitlimits am Abend Zielschluss. Das Ganze wird dann an einigen oder sollte ich sagen, an vielen Tagen wiederholt. Bei den einzelnen Etappen handelt es sich nicht zwangsläufig jedes Mal um einen Ultramarathon. Als Etappenlaufstrecken bieten sich meist Fernwanderwege, Flüsse, die Verbindungen zwischen Partnerstädten, Gebirgskämme etc. an. Zum ersten Mal wurde 2008 der Baltic-Run ausgerichtet. Von Berlin ging es 324 km in fünf Etappen mit 59 bis 73 km nach Usedom.

Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich Etappenläufe in außergewöhnlichem Gelaände. So ist der Transalpine-Run zum – wortwörtlich – großen Renner geworden. Für Bergliebhaber und alle die einen perfekt organisierten Etappenlauf erleben wollen, bietet er sich an. Zumindest auf der in geraden Jahren gelaufenen Ostalpen-Variante sind zwei der acht Etappen alleine schon eine Ultradistanz. Insgesamt werden ca. 300 km und ca. 15.000 Höhenmeter bewältigt. Auf der in ungeraden Jahren gelaufenen „West-Variante“ sind immerhin ca. 240 km und mindestens eine Marathondistanz zu bewältigen. Der Veranstaler lässt hierbei aus Sicherheitsgründen ausschließlich Zweier-Teams starten. Für Einzelstarter gab erstmals 2011 die 4-Trails, ein Wettkampf mit 4 Etappen, damals von Garmisch nach Samnaun.

Um ein vielfaches länger ist der Transeuropalauf. 2003 wurde dieser Transkontinentallauf zum ersten Mal durchgeführt. An 64 Tagen bewältigten (zumindest die Hälfte von) 44 Starter(n) die knapp 5.200 km von Lissabon nach Moskau.

Robert Wimmer

Trans-Europa-Sieger Robert Wimmer

Der Zirndorfer Robert Wimmer war der Erste der den Roten Platz erreichte. Der Titelverteidiger ging auch im April 2009 wieder an den Start, als die Strecke vom süditalienischen Bari ans Nordkap führte. 2012 führte die Strecke von SKAGEN nach GIBRALTAR führen. Am 21.10.2012 gab es dort einen deutschen Doppelsieg. Henry Wehder siegte vor Robert Wimmer auf der 4176 km langen Strecke.

Transkontinentalquerungen gibt es selbstverständlich auch in anderen Erdteilen. So wurden beispielsweise beim „Race of Fire“ Australien an 63 Tagen mit 4.000 km von Perth nach Canberran durchquert.

Hin und wieder begibt sich ein Ultraläufer auch alleine auf den Weg einen Kontinent zu durchqueren oder wie das Beispiel Jesper Olsen zeigt, die Welt zu Fuß zu umrunden. Der Däne umlief vom 01.01.04 bis 23.10.05 die Erde von Osten nach Westen und nahm hierbei immer wieder an Rennen teil. Den Sechs-Tage-Lauf in Colac gewann er dabei mal ebenso. Um zu beweisen, dass er auf seiner Weltumrundung mehr als 26.000 km zu Fuß zurücklegte, veröffentlichter er im Vorfeld seine Route und lieferte Fotos und Zeugenaussagen. Zurzeit ist er dabei die Nord-Süd-Achse abzulaufen. Verfolgen kann man dies unter www.worldrun.org.

Die Liste unglaublich schöner und langer Rennen könnte ich noch weiterführen – allein dies würde ein Ultra…

 

3. Stundenläufe

Wie bereits erwähnt ist der 6-Stunden-Lauf die kleinste Einheit des Ultralaufs. Neben diesem gibt es eine ganze Menge 12, 24, 48 oder 72 Stundenläufe. Wem dies noch nicht reicht, hat die Möglichkeit an Läufen über sechs, sieben oder zehn Tage teilzunehmen. Um die entsprechenden Platzierungen und Leistungen am Ende der vorgegebenen Zeit ermitteln zu können, werden die Läufe auf relativ kleinen Runden von zum Teil nur 200 m bis zu 3 km durchgeführt. Diese können durch Wohngebiete oder Parkanlagen, zwischen Feldern oder über Wiesen führen, werden aber auch im Stadion oder in der Halle absolviert. Zum Ende der Wettkampfzeit ertönt ein Signal, der Läufer bleibt daraufhin stehen und zu seinen gelaufenen Runden werden die restlichen Meter der angefangenen Runde gezählt.

Yannis Kouros

„Ultra-Weltrekordler“ Yannis Kouros

Während beim Distanz- oder Etappenlauf vom ersten bis zum letzten Teilnehmer ein sehr großer zeitlicher und räumlicher Abstand entsteht, bzw. manche Läufer aus dem Rennen genommen werden, da sie die Zielzeit nicht einhalten können, laufen beim Stundenlauf der schnellste und langsamste Läufer mehr oder weniger immer gemeinsam. – Und den Zielschluss erlebt auch (fast) jeder – er muss nur lange genug laufen… 😉

Internationale Meisterschaften gibt es nur im 24-Stunden-Lauf. Der Weltrekord bei den Frauen liegt bei 250,106 km aus dem Jahre 2002 von der Ungarin Edit Berces und bei den Männern bei 303,506 km, gelaufen vom Griechen Yiannis Kouros (1997).

Diese und die alle anderen Topleistungen im Ultrabereich werden meist erst im etwas „reiferen“ Alter um ca. 40 Jahren erzielt. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, so wurde 2006 der damals 23-jährige Würzburger Florian Reus deutscher Meister im 24-Std-Lauf. 2007 wiederholte er diesen Erfolg. Den deutschen Rekord von 276,209 km erzielte Wolfgang Schwerk 1987 im Alter von 32 Jahren.

Doch auch mit über 70 Lenzen werden noch derartige Ultraläufe bestritten. 2008 lief der Kieler Alfred Schippels mit 194,489 km einen neuen Weltrekord in der M70!

Beim 6-Tages-Lauf wird sogar die 1.000-km durchbrochen.

Wolfgang Schwerk

„6-Tages-Läufer“ Wolfgang Schwerk

Der Solinger Wolfgang Schwerk und Yiannis Kouros, die besten Ultraläufer über so eine Distanz haben bereits 1.036,80 km (Weltrekord vom Kouros) und 1.010,08 km (Schwerk) auf ihrem Konto stehen.

Bei diesen Wettbewerben entscheidet der Läufer selbst wann und wie lange er eine Pause einlegt. Teilweise gibt der Veranstalter eine tägliche Mindestverweildauer und eine Mindesttagesdistanz vor.